Ausgangspunkt
Im Herbst 2005 wurde von der BIG ein 2-stufiger, europaweiter Wettbewerb zur Erneuerung und Erweiterung des Universitätsgebäudes am Karlsplatz ausgeschrieben. Im Februar 2006 wurde das Projekt des Planungsteams Nehrer + Medek und Partner und Arch. Neumayer als Sieger prämiert.
Im Zuge der Standortentscheidung 2006 wurde durch das eindeutige Votum der TU für den Verbleib am bestehenden, innerstädtischen Standort die Wichtigkeit einer umfassenden, zukunftsorientierten Erneuerung des Hauptgebäudes der Technischen Universität Wien fixiert. Ziel ist nun, im Sinne einer Standortbereinigung am Karlsplatz die Fakultäten Architektur und Raumplanung, Bauingenieurswesen und die Zentrale Verwaltung zu konzentrieren. Im Gegenzug können verstreute Standorte aufgelassen werden.
Masterplan
Als erster Schritt wurde für das gesamte Gebäude der TU am Karlsplatz ein Masterplan erstellt. Dieser soll die Möglichkeiten an diesem Standort ausloten. Ziel war – neben der erforderlichen baulichen Generalsanierung des historischen Universitätsgebäudes – die Verbesserung der Gebäudestruktur und Erweiterungsmöglichkeiten am Standort Karlsplatz zu untersuchen. Erweiterungen sind durch neue Zubauten im Rahmen der bestehenden Flächenwidmung möglich. Dadurch kann Raum für künftige Entwicklungen der Universität am Standort bereitgestellt werden. Die Erneuerung ist durch etappenweise Bauführung bei vollem Universitätsbetrieb möglich. Hierzu wurde ein Bausteinsystem von 6 möglichen Erweiterungen entwickelt, aus dem flexibel gewählt werden kann. Der genaue Umfang der Maßnahmen ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt dabei noch nicht festgelegt.
Ziele
- Bauliche Generalsanierung des Gebäudes für die funktionellen Anforderungen an ein Universitätsgebäude des 21. Jahrhunderts.
- Büro – und Universitätsgebäude mit zeitgemäßem, zukunftsorientiertem und flexiblem Standard
- Schaffung funktioneller und haustechnischer Flexibilität unter Berücksichtigung der historischen Strukturen des Gebäudes.
- zeitgemäße Zubauten zur Flächenmehrung, gleichzeitig Schaffung von Rangierflächen im Bauablauf
- Beseitigung der Kopflastigkeit des Gebäudes: besucherintensive Nutzungen im Erdgeschoss – dadurch auch für Drittnutzungen leicht zugänglich
- Schaffung eines Hörsaalzentrums im Erdgeschoss – auch als Kongresszentrum geeignet
- Situierung allgemeiner Studieneinrichtungen in einem Uni-Service-Center am Haupteingang Mittelrisalit
- Ringförmige Erschließung aller Obergeschosse: Öffnen der Gänge durch Entfernung gewachsener Einbauten
- Die Nutzbarkeit der Obergeschosse wird durch die verbesserte Erschließung und die Zubauten
aufgewertet - Vertikale Erschließungskerne: Stiegenhaus in Verbindung mit Lift, Sanitär – und Haustechnikräumen zur Verbesserung der Orientierung, Entfluchtung und des Brandschutzkonzepts
- Behindertengerechte Erschließung sämtlicher Gebäudeteile
- Ergänzung fehlender Funktionen und Neuordnung zur Optimierung funktioneller Abläufe
- Neugestaltung der Innenhöfe, zum Teil campusartig
- Reduzierung des Instandhaltungs- und Wartungsaufwands haustechnischer Anlagen und Leitungsführungen
Mittelrisalit
Als erstes Zeichen für diese "Erneuerung TU Karlsplatz" soll ein Teilbereich des Gesamtprojekts vorgezogen werden. Der Mittelrisalit als Hauptzugang der TU mit sehr repräsentativen Funktionen ist hierfür bestens geeignet. Er beherbergt vorwiegend öffentliche Nutzungen und ist somit weitgehend unabhängig von den restlichen Funktionen und dem laufenden Studienbetrieb der TU.
Gestaltungskonzept
Generelles Ziel ist es, diesen "Eingangsbereich" zu öffnen, heller, großzügiger und übersichtlicher zu gestalten. Die vorhandene historische Substanz soll dabei von nachträglichen Einbauten befreit und dadurch räumlich besser erlebbar werden. Die Eingriffe werden mit zeitgemäßen Mitteln hergestellt und sollen als solche erkennbar sein. Die wichtigsten Maßnahmen im Einzelnen:
Erdgeschoss
Die bestehende Aula des ursprünglichen "Polytechnikums" aus dem Jahr 1816 soll an die kontinuierlich gewachsene Größe einer „Technischen Universität“ angepasst werden. Die Aula wird dazu wesentlich erweitert und neu gestaltet. Hierzu werden sämtliche Einbauten – der Portier inkl. Nebenräumen, die Garderobe Precht-Saal, die ehemalige Cafeteria – entfernt und große neue Wandöffnungen für eine weitläufige Durchgängigkeit hergestellt. Wesentliches Ziel ist auch die umfassende Behindertengerechtheit dieses Haupteingangs zur TU: durch Anhebung des Fußbodens entfallen alle bestehenden Niveausprünge. Der vorhandene, zu kleine Lift in der Hauptstiege wird abgebrochen und ein neuer Liftanbau mit zwei behindertengerechten Panoramaliften im Hof geschaffen. Die Aula wird durch den Einbau von Windfängen bei den Portalen und einer Fußbodenheizung ein besseres Raumklima erhalten. Die Beleuchtung wird erneuert und deutlich heller ausgelegt. Zum Prechtl-Saal wird ein neuer, zentraler Zugang direkt aus der Mittelachse der Aula geschaffen. Dabei entsteht durch die neue Erweiterung ein zusätzlicher Vorbereich innerhalb der Aula und weiters ein Vorraum mit Garderobe. Direkt gegenüber diesem Zugang wird ein neuer Portierbereich mit einer Portierloge errichtet. Dies wird zukünftig die zentrale Schalt- und Sicherheitsstelle für sämtliche Standorte der TU. Elektronische Info-Systeme und Projektionen an den Wänden dienen der Information und Orientierung für Besucher.
1., 2., 3. und 4. Obergeschoss
1. Obergeschoss: Der Festsaal bleibt vorerst unberührt. Hofseitig wird durch den Abbruch sämtlicher Räume ein geräumiges Lift-Foyer vor dem Festsaal geschaffen. Dies steht zukünftig als Aufenthaltsbereich vor und nach Veranstaltungen zur Verfügung.
2. Obergeschoss: Entfernung der hofseitigen Werkstätten und Errichtung eines neuen Seminarraums.
3. Obergeschoss: Abbruch des hofseitigen Hörsaals inkl. Nebenräumen und Umbau des bestehenden Karl von Terzaghi-Hörsaals in zwei neue Seminarräume. Diese sind mittels einer großen Verbindungstür zusammenschließbar und werden ohne ansteigende Sitzreihen ausgeführt. Umbau der ostseitigen Nebenstiege in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt.
4. Obergeschoss / Dachgeschoss: Den obersten Abschluss des Mittelrisalits bildet eine Holz-Kuppelkonstruktion aus sogenannten De L’Ormschen Bogenbindern mit darauf aufgesetztem Mansard-Dach. Zur Zeit ist diese Konstruktion auf Grund vieler eingebauter Räume nicht sichtbar. In Abstimmungen mit dem Bundesdenkmalamt, Baubehörden, der Feuerwehr und dem Institut für Tragwerkslehre und Ingenieurholzbau / Prof. DDI Winter konnte folgendes erreicht werden: Durch Entfernung sämtlicher Räume und Einbauten aus der Kuppel wird diese bis in den Kuppelscheitel geöffnet. Die historische Holzkonstruktion wird freigelegt, saniert und zukünftig offen gezeigt. Es entsteht so ein großer Kuppelsaal für multifunktionale Nutzungen, in dem zusätzlich ein seltenes Beispiel von Holz-Ingenieurbaukunst gezeigt wird. Es wurde vorgeschlagen, diesen neuen Raum "Ernst Hiesmayr Kuppelsaal" zu benennen.


